Die Immuntherapie gegen Krebs

Vorsichtiger Optimismus ist angesagt

Die beiden amerikanischen Immuntherapeuten James P. Allison und Carl H. June wurden im März 2015 für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur Immuntherapie gegen Krebs mit dem 100.000€ dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis ausgezeichnet.

In den letzten Wochen wurden in den USA anlässlich einer Krebsforschungskonferenz der American Society of Clinical Oncology mehrere Studien veröffentlicht, in denen verschiedene Krebsarten hervorragend auf die Immuntherapie ansprechen. Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass bei einigen Krebsarten statt Chemotherapie die Immuntherapie erfolgreich eingesetzt werden könnte. Professor Roy Herbst, führender Onkologe des Yale Cancer Center, sieht einen Paradigmenwechsel in der Krebstherapie.

Insgesamt scheint die Immuntherapie gerade bei den schlecht zu behandelnden Krebserkrankungen, auch im fortgeschrittenen Stadium, besonders gut zu greifen. Und sie scheint auch langfristig zu helfen, denn es gibt mittlerweile Patienten, die vor 10 Jahren als erste mit der Therapie behandelt wurden und als geheilt betrachtet werden können.

Dazu der Koordinator des Comprehensive Cancer Center (CCC) im Wiener AKH, Professor Christoph Zielinski: „Die Immuntherapie wird die Landschaft der Krebstherapie völlig verändern.“

In Deutschland gibt es u. a. das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Hier wird verstärkt an der Immuntherapie geforscht und es laufen auch schon erste Studien mit viel versprechenden Erfolgen.

Frau Professor Ingrid Herr vom Universitätsklinikum in Heidelberg: „ Wir planen jetzt, die Kombination aus Gen- und Immuntherapie bei Patientinnen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs und fortgeschrittenem Prostatakarzinom zu erproben“

In Deutschland wird natürlich an mehreren Universitätskliniken weiter geforscht, ebenso wie in anderen europäischen Ländern auch, es lohnt sich immer, in den nächstliegenden Unikliniken zu suchen und sich zu informieren.

Die Immuntherapie ist kein einheitliches Konzept, sondern besteht vielmehr aus vier verschiedenen Varianten:

Der unspezifischen Immunstimulation

Diese verstärkt die allgemeine Körperabwehr.
Mit Interferon Alpha und Interleukin 2 wurden zwei Medikamente entwickelt und gegen einige Krebsarten zugelassen.
Ein anderer Weg ist es, Bakterien injizieren, beispielsweise den BCG-Impfstoff (gegen Tuberkulose) gegen Blasenkrebs. Die Bakterien lösen eine Entzündungsreaktion des Körpers aus und die Körperabwehr bekämpft den Krebs dann gleich mit.

Dem adoptiven Zelltransfer

Immunzellen (direkt aus dem Tumor) werden entnommen um sie zu manipulieren und ihre Wirkung zu verstärken, dann werden sie vermehrt, um sie im nächsten Schritt dem Patienten mittels Injektion zurück zu geben. Eine Variation ist es, die Immunzellen aus dem Blut des Patienten zu gewinnen. Diese werden dann „scharf“ gemacht, d. h. Gentechnisch entsprechend verändert, vermehrt, durch Zytokine verstärkt und dann dem Körper wieder zugeführt.

Dem Eingriff in die Immunregulation

Beispielsweise wird Ipilimumab, ein Antikörper bei fortgeschrittenem Hautkrebs eingesetzt. Eine Kombination von Ipilimumab und Nivolumab, dieses wird ab dem Sommer in Europa zugelassen sein, soll dreimal effektiver wirken als das Ipilimumab für sich allein.

Dem Impfverfahren

Dabei kommen aus modifizierten Viren, z.B. Herpes Simplex, gewonnene Impfstoffe gegen Melanome, Kopf-und Halstumore zum Einsatz, alternativ werden Impfstoffe aus Tumorzellen des Patienten gewonnen. Als nächstes werden die entnommenen Zellen durch Bestrahlung an der Teilungsfähigkeit gehindert und nach ein paar weiteren Schritten können die Stoffe dann dem Patienten injiziert werden.

Auch Impfstoffe aus Immunzellen der Erkrankten werden getestet. Einer davon ist Sipuleucel-T, im Jahr 2010 in den USA zugelassen. In Deutschland seit Januar 2015. Die Zulassung gilt für einige Prostatakrebsarten.

Noch schlagen die Behandlungen leider nur bei rund zwei dritteln der Behandelten an. Die Immuntherapie ist nicht ungefährlich, denn das entfesselte Immunsystem kann auf die Zellen des Körpers losgehen. Reaktionen können beispielsweise gerötete Haut oder Durchfall sein. Auch Entzündungen der Nieren, Hirnanhangsdrüse, Dickdarm- und Leberentzündungen und noch einiges mehr. Über diese und andere mögliche Reaktionen werden die Patienten selbstverständlich aufgeklärt und stehen natürlich auch unter engmaschiger Beobachtung.

Der Krebsinformationsdienst hilft Patienten und Interessierten, Studien zu finden und sich über alles rund um das Thema Krebs zu informieren, sehr interessant

Auf den Seiten von gesundheitsforschung-bmbf finden Sie alles zur Immuntherapie

Ein Studie von Forschern um Wolchok im „New England Journal of Medicine“ zeigt, dass Ipilimumab plus Nivolumab bei gut der Hälfte der Melanom-Patienten anschlug und die Tumorgröße um mindestens 80 Prozent reduzierte.

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